JEAN-BAPTISTE BERNADET



   
 
PAINTING
SCULPTURE
DRAWINGS
EXHIBITIONS
STUDIO
NEWSLETTER
TEXTS
BIO
LINKS
CONTACT

INTERVIEW 2009
(Semaines n° 14)
english
français

DEVRIM BAYAR
english
français

TRISTAN TREMEAU
english
français
deutsch

DAVID DE TSCHARNER
français

SIMON JAFFROT
français

YANNICK COURBES
français

Aus dem Text: Mythologies postmodernes
Autor : Tristan Trumeau, Professor der Kunstgeschichte an der Universität Paris I-Sorbonne

Seit 2000 in Brüssel niedergelassen, verfolgt Jean-Baptiste Bernadet (geb. 1978 in Paris) eine bildnerische Arbeit, die eine Frage, welche die Kunst seit Beginn der Modernität beschäftigt, hervorhebt, nämlich die der Authentizität.

...In Bernadets Bildinstallationen spielt Ironie nicht nur im Verhältnis zu der Geschichte und im Kontext der Zeitgenössischen Kunst eine wesentliche Rolle. (siehe die 7. teilige Installation "intelligent design" in Tourcoing). Sondern auch, weil Ironie für Bernadet ein Mittel ist, um sich von dem was er seinen "Romantisme" nennt, zu distanzieren. Genauer gesagt von seinen ursprünglichen Sehnsüchten nach Malerei, die sich in seinem Hang zur abstrakten Landschaft ausdrückten, von der man weiß, betrachtet man die Entwicklung des Werkes eines Brandl, das sie immer das Risiko vom Kitsch umgibt.

Die landschaftlichen oder himmlischen Motive von Bernadet färben sich nunmehr mit Ironie (s. I want muscles, SOS). Damit haben wir hier ein typisch postmodernes double bind: das Verlangen nach einer authentischen malerischen Erfahrung wird mit dem Bewusstsein möglicher Produktion von Kitsch und der a priori Ablehnung jeden abenteuerlichen Triebs konfrontiert, die seit 40 Jahren vom technischen Diskurs der Kunstgeschichte inszeniert worden ist. Das von Spuren des Unmöglichen oder von einer nüchtern gewordenen (à la Twombly) Sehnsucht geprägte Bild L'aventure wäre hiervon eine Ausprägung.

Bernadet durchläuft deutlich - sie zitierend - die postmodernen Mythen, darunter - und nicht der unbedeutendste - der des melankolischen und kritischen Bewusstseins der "romantischen Nichtigkeit" der Avantgarden in ihren Sehnsüchten nach authentischer Erfahrung, historischer Wahrheit und Weltveränderung: I've lost my illusions. Gleichzeitig belastet die ironische Verwendung dieser Sätze nicht die Sentimentalität, mit welcher Bernadet's Werke getränkt sind.

Diese Sätze entnimmt er aus Lyrics Rock, dieser Musik von der man seit Dan Graham weiß, nachdem diese für die Künstler der 70-er Jahre das Relais der Avantgarde (aufgrund ihrer vermuteten Reinheit) gewesen war, dass diese Gattung das perfekte Modell der inauthentischen Authentizität darstellt*. Auf was es Bernadet demnach vielleicht ankommt ist wohl zu suchen in der Nähe eines dreifachen Erbes von Rauschenberg, Kippenberger und Wool, zwischen Aneignung, Vermehrung, Aufwand, kritischem Bewusstsein, ironischer Distanzierung und Maskerade.


*Dan Graham, Rock my religion, Dijon, Les presses du réel. 1993

   
bern
TOP